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Die Digitalisierung bietet auch im Handel spannende Chancen, mit neuen Geschäftsmodellen und modernen Technologien die Umsätze zu erhöhen, die Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Zwar bleibt der stationäre Einzelhandel Studien zufolge noch die stärkste Einkaufsplattform, doch der Trend geht zu kleineren Ladenflächen und eine enge Vernetzung mit Online-Kanälen – Stichwort Omnichannel. Dies erfordert sowohl vom traditionellen Handel als auch von bislang reinen Online-Händlern zukunftsfähige Strategien.

Beispielsweise verfügt laut einer Studie von ibi Research rund ein Fünftel aller Händler noch nicht über die digitalen Systeme, die eine reibungslose Verbindung zwischen Online-Shops und stationären Plattformen ermöglichen. Doch wie werden die nötigen Investitionen finanziert?

Förderprogramme e-commerce

Digitalisierung des Handels geprägt von privaten Kapitalgebern

Um die Digitalisierung des Handels voranzutreiben, benötigen E-Commerce-Unternehmen nicht nur Mut und Weitblick, sondern auch finanzielle Unterstützung. Insbesondere Start-Ups oder kleinere Shops können in den seltensten Fällen auf ausreichend Eigenkapital oder große Rücklagen zurückgreifen, um ihr Online-Business auf- oder auszubauen.

Egal ob es um Omnichannel-Strategien, eine internationale Marketingkampagne, den Bau eines Lagers oder die Optimierung der IT-Infrastruktur geht: Bei einem Blick in die Presse gewinnt man den Eindruck, dass sich Händler auf der Suche nach Fremdkapital vorzugsweise an private Investoren wie Acceleratoren, Business Angels und VC-Gesellschaften wenden. Öffentliche Förderprogramme scheinen ebenso unbekannt wie unbeliebt – zu viel Bürokratie und leere Staatskassen, so die vorherrschende Meinung.

Schade eigentlich, denn beim Recherchieren wird schnell klar: Bund, Länder und EU stellen eine Fülle an vollen Fördertöpfen bereit, die von Retailern genutzt werden könnten. Die Förderprogramme reichen von zinsgünstigen Krediten mit tilgungsfreien Jahren über Bankbürgschaften und Beratung bis hin zu Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Alternative staatliche Förderung – welche Möglichkeiten gibt es?

Das Spektrum der Förderung der digitalen Transformation ist groß und jedes Programm setzt eigene Schwerpunkte. Gefördert wird beispielsweise:

 

  • Digitalisierung und Automatisierung von Workflows
  • Migration von IT-Lösungen
  • Modernisierung der Infrastruktur
  • IT-Sicherheitszertifikate
  • Beratung bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Förderprogramme

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Das Förderprogramm der KfW-Bank unterstützt den Finanzierungsbedarf von Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben, u.a. den Aufbau digitaler Vertriebskanäle und digitaler Plattformen für den elektronischen Handel.

Auch die Vernetzung mit ERP-Systemen ist förderfähig, ebenso die Implementierung von IT- und Datensicherheitskonzepten.

Als Antragsteller zugelassen sind alle mittelständischen Unternehmen und Freiberufler, die seit mindestens 2 Jahren am Markt sind und als „digital“ oder „innovativ“ gelten. Die Kredithöhe liegt zwischen 25.000 und 25 Millionen Euro.

Weiterführende Informationen finden sie hier.

ERP-Mezzanine für Innovation

Ein weiteres Förderprogramm der KfW-Bank unterstützt mit einem Kredit von bis zu 5 Millionen Euro die Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen.

Gefördert werden beispielsweise die Projekt-Personalkosten, Beratungskosten und Testreihen, allerdings nur bis zum Beginn der kommerziellen Nutzung.

Als Antragsteller zugelassen sind private Unternehmen und Freiberufler, die seit mindestens 2 Jahren geschäftstätig sind und deren Gruppenumsatz unter 500 Mio. Euro liegt.

Weiterführende Informationen gibt es hier.

go-digital

Das BMWi (Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie) fördert mit dem Programm „go-digital“ die digitale Transformation bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Ziel ist unter anderem die Optimierung des Arbeitsalltags und der Aufbau effizienter Datenschutzmaßnahmen. Vorteil für Bürokratie-Muffel: Autorisierte Beratungsunternehmen begleiten die geförderten Unternehmen in den drei Modulen „Digitalisierte Geschäftsprozesse“, „Digitale Markterschließung“ und „IT-Sicherheit“ und entlasten sie Antragsformalitäten.

Die Beratungsleistungen in einem ausgewählten Modul werden mit einer Förderquote von 50 Prozent auf einen maximalen Berater-Tagessatz von 1.100 Euro unterstützt. Bei einer Kombination von Hauptmodul und Nebenmodul(en) können maximal 30 Beratertage gefördert werden.

Mehr Informationen finden sie hier.

ERP Gründerkredit/COSME

Das EU-Programm COSME fördert Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit mit Schwerpunkt auf der Digitalisierung von KMU. Unter anderem übernimmt die EU im Rahmen von COSME die Garantie für den „ERP Gründerkredit – Startgeld“ in Höhe von bis zu 100.000 Euro.

Antragsberechtigt sind u.a. Unternehmen, Existenzgründer, Selbstständige im vorläufigen Nebenerwerb, Freiberufler und kleine Unternehmen bis zu 5 Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit.

Gefördert werden unter anderem die Kosten für Computer, Lizenzen, Software und Beratung – ideal bei geplanten Investitionen in die IT-Infrastruktur.

Weiterführende Informationen gibt es hier.

Förderprogramme der Länder

Neben den Initiativen von Bund und EU lohnt sich häufig auch ein Blick auf kleinere Programme der Länder. Hier nur eine kleine Auswahl:

Digitalisierung braucht Beratung!

Es gibt derzeit rund 3.000 öffentliche Förderprogramme – hier das richtige auszuwählen ist nicht einfach. Je nach Förderprogramm unterscheiden sich Zielgruppe, geförderte Maßnahmen und Konditionen. Recherchieren Sie deshalb genau, welches Programm sich für E-Commerce-Branche im Allgemeinen und Ihre Digitalisierungsstrategie im Speziellen eignet!

Der erste Weg führt im Normalfall über Ihre Hausbank, die die meisten Förderprogramme gut kennt. Aber auch die IHKs stehen Unternehmen im Dschungel der Fördermittel zur Seite, ebenso wie private Berater, die sich auf Fördermöglichkeiten spezialisiert haben.