So machen Online-Händler ihre Lieferketten resilient

Auf der einen Seite die Globalisierung des Handels, auf der anderen Seite globale Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg oder die Folgen des Klimawandels: Die Risiken für Lieferketten waren noch nie so hoch wie heute. Händler müssen darauf reagieren und ihre Lieferketten so gut wie möglich gegen diese Risiken absichern. Welche konkreten Vorteile das bringt und wie das funktionieren kann, lesen Sie in diesem Artikel.

Supply_Chain_Resilienz

Was ist Supply Chain Resilience?

Maßnahmen, um seine Lieferkette gegen Risiken abzusichern, fasst man unter dem Begriff ‚Supply Chain Resilience‘ (Lieferkettenresilienz) zusammen. ‚Resilience‘ bzw. Resilienz kommt dabei vom lateinischen Verb ‚resilire‘, was so viel wie abprallen bedeutet. Laut Wörterbuch ist Resilienz die Fähigkeit eines Gegenstand, schnell wieder in seine ursprüngliche Form zurück zu kehren oder – im weiteren, übertragenen Sinne – sich von Schwierigkeiten zu erholen.

Im Kontext von Lieferketten bedeutet Resilienz, dass diese schnell auf Störungen reagieren und sich schnell erholen, ohne dass es zu längerfristigen Problemen kommt.

Risikofaktoren

Um seine Lieferketten gegen mögliche Risiken abzusichern, muss man wissen, um welche Risiken es sich handelt. Tatsächlich können eine ganze Reihe von Problemen auftreten: ‚Interne‘ Risiken, die unmittelbar mit einem Unternehmen in der Lieferkette zu tun haben und ‚externe‘ Risiken, an denen kein Kettenglied Schuld trägt oder auch nur einen Einfluss hat.

Beispiele für interne Risiken sind Auseinandersetzungen zwischen der Geschäftsführung und der Belegschaft (Streiks), finanzielle Engpässe, Unfälle und Probleme in der Produktion wie zum Beispiel Verunreinigungen in Rohstoffen oder eine fehlerhafte Montage.

Zu den externen Risiken gehören politische Spannungen und ihre Folgen wie beispielsweise Blockaden, Gerichtsprozesse bzw. Klagen, Naturkatastrophen oder Cyberattacken.

Ein besonderes Problem geht dabei immer von Zulieferern aus, die in der Kette weiter unten stehen. So werden z. B. Verzögerungen bei Teile-Lieferanten oft nicht oder nur zu spät die Lieferkette hinauf gemeldet. In diesen Fällen erfahren Händler erst dann von den Problemen, wenn sie bereits unmittelbar von ihnen betroffen sind.

Maßnahmen zur Steigerung der Supply Chain Resilience

Die Resilienz einer Supply Chain zu steigern ist eine komplexe Aufgabe. Dementsprechend müssen Sie gleich an mehreren Punkten ansetzen, um optimale Ergebnisse zu erzielen: 

Überwachen Sie Ihre Supply Chain und bewerten Sie die Risiken

Um frühzeitig auf Probleme reagieren zu können, müssen Sie Ihre Supply Chain immer im Auge behalten und alle potenziellen Risikofaktoren überwachen.

Das gilt zum einen für die Supply Chain selbst: Ein Überblick über Ihre Lieferanten und deren Zulieferer sowie deren Aktivitäten ist absolut essentiell. Suchen Sie also aktiv den Austausch mit Ihren Lieferanten und überwachen Sie verschiedene Kontrollpunkte entlang Ihrer Beschaffungsprozesse.

Das gilt zum anderen auch für weitere, externe Faktoren: Behalten Sie auch die politische, gesellschaftliche und allgemeine Situation in den Ländern im Auge, in denen Ihre Lieferanten produzieren lässt: wie wahrscheinlich ist es, dass es zu politischen Unruhen oder Streiks kommt? Wie wahrscheinlich sind Naturkatastrophen?

Je mehr sie über die Situation und die Rahmenbedingungen Ihrer Lieferkette wissen, desto seriöser können Sie die möglichen Risiken bewerten; und je früher Sie konkrete Probleme identifizieren, desto besser können Sie auf sie reagieren.

Setzen Sie auf KI und Business Intelligence

Diese Überwachung und Risikobewertung muss dabei keineswegs ‚manuell‘ erfolgen. Moderne KI und Business Intelligence Lösungen ermöglichen die automatisierte Auswertung großer Datenmengen und damit auch die Erstellung von Bestands- und Lieferprognosen. In der Regel können moderne Analyse-Tools dabei Zusammenhänge herstellen, die menschlichen Betrachtern verborgen bleiben, und so wesentlich genauere Vorhersagen treffen. Setzen Sie also auch auf solche Tools, um sich optimal vorzubereiten und Ihre Supply Chain noch resilienter zu machen!

Arbeiten Sie mit mehreren Lieferanten zusammen

Um Ihre Supply Chain resilient zu machen, sollten Sie sich nach allen Seiten hin absichern. Dazu gehört auch die Diversifizierung Ihrer Lieferanten. Wenn Sie nur auf eine Bezugsquelle setzen und dieser Anbieter in Schwierigkeiten kommt, geraten Sie schnell in eine bedrohliche Schieflage. Wenn Sie hingegen mit mehreren Partnern – wenn möglich aus verschiedenen Ländern bzw. Regionen - zusammenarbeiten und auf andere Lieferanten ausweichen können, sind Sie in Sachen Resilienz klar im Vorteil.

Besonders vorteilhaft ist dabei die Zusammenarbeit mit Lieferanten, deren Produktionsstätten in Europa, in Deutschland oder sogar in Ihrer eigenen Region liegen: Auf diese Weise können Sie viele Risiken wie z. B. geschlossene Häfen, internationale Beschränkungen oder Naturkatastrophen drastisch minimieren. Diese Strategie verursacht zwar Mehrkosten; diese zusätzlichen Aufwände sollten Sie jedoch nicht als ineffizient ansehen, sondern als notwendige Geschäftskosten.

Legen Sie Vorräte an

Die einfachste Antwort auf mögliche Lieferengpässe ist die Erhöhung der Lagerbestände: So können die Auswirkungen von Verspätungen und Ausfälle immerhin verzögert werden. Angesichts der Kosten müssen Sie hier jedoch genau hinschauen und durchrechnen, inwieweit sich das Anlegen solcher Vorräte rentiert. Sein Lager bis zum Dach zu füllen und so einen Großteil seiner Geldmittel zu binden ist ebenso gefährlich wie ein sorgloser Just-in-time Ansatz ohne Rücklagen, der nur dann funktioniert, wenn die Supply Chain ordnungsgemäß funktioniert. Wichtig ist es, einen Mittelweg zu finden zwischen Resilienz auf der einen Seite und Wirtschaftlichkeit auf der anderen.

Fazit

Vom Krieg über die Pandemie bis hin zu Streiks, Fehlkalkulationen bei Lieferanten oder Produktionsfehlern: Lieferketten sind gerade heutzutage mannigfaltigen Risiken ausgesetzt. Händler müssen ihre Supply Chains resilient machen, um sich gegen diese Risiken so gut wie möglich abzusichern. Anderenfalls ist die Handlungsfähigkeit des Unternehmens schnell gefährdet. Mit den richtigen Maßnahmen – von der Bevorratung bis hin zur Überwachung der beteiligten Akteure und der Rahmenbedingungen – die Risiken senken. Wichtig ist, dass Sie sich nicht von Entwicklungen überrollen lassen, sondern proaktiv werden!

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