International handeln: Was Ihr ERP können muss

Das Internet macht den Handel globaler denn je: Online-Shopper gelten als besonders aufgeschlossen für den grenzüberschreitenden Einkauf und dank Suchmaschinen, Online-Handel-Marktplätzen und professioneller Shop-Software ist es für Händler technisch vergleichsweise einfach, das Sortiment international zu vermarkten.

Auch mit der gesetzlichen Aufhebung des sogenannten „Geoblocking“ im Dezember 2018 soll der Cross Border E-Commerce in der EU weiter gestärkt werden. Doch mit der Einrichtung eines englischsprachigen Online-Handel-Shops allein ist es nicht getan. Um auf internationalem Parkett erfolgreich zu sein, müssen sich Einzelhändler weiterentwickeln – strategisch, technisch und organisatorisch.

Blogartikel-Internationalisierung

Going global: Große Potenziale für den E-Commerce

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigen zahlreiche Studien, die das enorme Wachstumspotenzial des globalen Online-Handels belegen: Laut „Pulse of the Online-Handel Shopper“ – einer europaweiten Umfrage des Logistikanbieters UPS – hatten 2017 bereits 71 Prozent der digitalen Shopper in Europa Produkte in ausländischen Online-Shops gekauft, Tendenz steigend. Letztes Jahr wurden bereits 23 Prozent des E-Commerce-Volumens in Europa durch grenzüberschreitende Online-Käufe generiert. 45 Prozent dieses Kuchens sicherten sich Retailer mit Sitz außerhalb der EU, so die Statistik „Top 500 Cross-Border Retail Europe“. Dazu kommt, dass mehr als 40 Prozent der Internetnutzer erwarten, dass es den Käufern in naher Zukunft völlig egal sein wird, wo sich der Sitz des Shops befindet, so die aktuelle PwC-Studie „Grenzenlos Shoppen“.

Interessant: Fast jeder vierte Online-Käufer hat bereits einmal im Ausland eingekauft, ohne es beim Kaufabschluss zu bemerken. Und 57 Prozent der Befragten sind bereit, für Zusatzdienstleistungen wie z.B. die Zollabwicklung oder unkomplizierte Retouren zu bezahlen, um Unsicherheiten bei Auslandsbestellungen zu minimieren.

Hauptgründe für die Einkäufe außerhalb des Heimatlandes sind die Suche nach dem besten Preis oder nach bestimmten Produkten und Marken, die in nationalen Online-Shops nicht erhältlich sind.

Grenzenloser Handel braucht Strategie, Technologie und Prozesseffizienz

Umfragen zufolge wünschen sich Kunden zu jeder Zeit ein einfaches, komfortables und sicheres Einkaufserlebnis. Die fünf wichtigsten Anforderungen von Global Shoppern an grenzübergreifende Einkäufe sind:

  1. Zahlungssicherheit
  2. Transparente Angaben der Gesamtkosten, inklusive Zoll und Versand
  3. Klare Retourenregelung
  4. Preisangaben in der Landeswährung des Käufers
  5. Schnelle Lieferung

Sprache, Währung, Zahlungsarten, Spediteure, Steuermodelle, Handelsgesetze, Harmonisierungsvorschriften und Datenschutz: Es gibt also viel zu lernen und zu planen, wenn Sie mit Ihrem Shop das Ausland erobern möchten.

Hinzu kommen nahezu in jedem Markt länderspezifische Besonderheiten, die für eine hohe Kundenzufriedenheit beachtet werden sollten:

  • Beispielsweise erwarten Online-Shopper in China deutlich ausführlichere Produktbeschreibungen als europäische Käufer.
  • Französische Käufer legen im Gegensatz zu Deutschen weniger Wert auf Gütesiegel und Zertifikate und verlassen sich lieber auf Empfehlungen.
  • Auch die Zahlungsvorlieben sind weltweit sehr unterschiedlich. PayPal ist in Österreich weniger verbreitet als in Deutschland, Franzosen zahlen gerne per Scheck und in China geht nichts mehr ohne mobile Payment-Apps wie AliPay und WeChatPay.

ERP – gut gerüstet für die Internationalisierung

Da Preise mit wenigen Mausklicks über Ländergrenzen hinweg vergleichbar sind, müssen die Prozesse der Online-Shops bestmöglich digitalisiert und automatisiert werden, um die wachsende Komplexität zu beherrschen und gleichzeitig Kosten zu minimieren – ohne eine geeignete IT-Infrastruktur heute unmöglich.

Online-Händler sollten im Rahmen ihrer ERP-Auswahl deshalb eine mögliche Internationalisierung unbedingt mit einplanen. Aber welche Kriterien muss ein ERP erfüllen, um für den Schritt in neue Märkte gewappnet zu sein?

1) Skalierung: Wenn Online-Shops ins Ausland expandieren, muss das ERP-System problemlos mit der Mitarbeiterzahl mitwachsen können. Wenn Sie die verschiedenen Märkte als Niederlassungen oder Tochterunternehmen führen, sollte das ERP-System darüber hinaus mandantenfähig sein – ein Muss, falls Sie im jeweiligen Land nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards bilanzieren!

2) Kompatible Schnittstellen: Achten Sie auf internationale Standards bei den vorhandenen Schnittstellen und Datennormen. So lassen sich landesspezifische, externe Softwarelösungen oder Online-Marktplätze schnell und einfach an das ERP-System anbinden und Daten reibungslos synchronisieren.

3) Mehrsprachenfähigkeit: Wie das Frontend im Shopsystem muss auch die Bedienoberfläche für die ERP-Nutzer problemlos auf die jeweilige Landessprache umgestellt werden können, ebenso die vom ERP-System generieren Dokumente wie Angebote und Rechnungen.

4) Mehrwährungsfähigkeit: Nicht nur die Oberfläche des Shopsystems sollte die Landeswährungen beherrschen, sondern auch das ERP-System muss mit einem Klick alle relevanten Zahlen in der gewünschten Währung bereitstellen, beispielsweise in Preislisten oder betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Idealerweise lassen sich Fremdwährungen über hinterlegte, täglich aktualisierte Wechselkurse in Sekundenschnelle umrechnen. Auch die Bankkonten müssen bei Bedarf in der jeweiligen Landeswährung geführt werden können. Wichtig: Achten Sie darauf, dass die unterschiedlichen Umsatzsteuergesetze der Länder korrekt abgebildet werden!

5) Zentrale Datenhaltung: Je mehr unterschiedliche Märkte Sie abdecken, umso wichtiger – und umso schwieriger – wird die nötige Datentransparenz. Beispiel: Egal ob Sie ein großes Warenlager oder verschiedene Läger für die einzelnen Märkte verwalten: Die Bestände müssen jederzeit transparent sein, um Überverkäufe zu vermeiden und Synergien durch zentrale Warenbestellungen oder Umlagerungen ermöglichen.

Tipp: Besondere Gewichts- und Längeneinheiten wie das britische „Inch“ können Hindernisse für ERP-Systeme darstellen!

6) Logistik: Entscheidend für den internationalen Erfolg ist die Effizienz der logistischen Prozesskette. Egal ob die Bestellung über einen Online-Marktplatz oder den eigenen Online-Shop eingeht – sie wandert ins ERP-System und muss dort möglichst vollautomatisch die nachfolgenden Workflows koordinieren, von der Pickliste und der Erstellung der Versandpapieren über die Beauftragung des Fulfilment-Dienstleisters bis hin Trackinginfos an den Kunden und ein effizientes Retourenmanagement. Auch spezielle Logistikabläufe wie Dropshipping oder Click & Collect sollten bei Bedarf vom ERP-System abgebildet werden können, ebenso wie die jeweilige Zeitverschiebung.

 

Fakt ist: Der internationale Online-Handel entwickelt sich rasant über nahezu alle Warengruppen hinweg und Kaufentscheidungen fallen zunehmend unabhängig vom Sitz des Shop-Anbieters. Es ist also zu erwarten, dass ausländische Shops in den nächsten Jahren ein beachtliches Umsatzvolumen von deutschen Online-Shops abziehen werden – gleichzeitig öffnet sich aber auch ein riesiger Markt für deutsche Online-Händler.

Lesetipp: Welche Features Warenwirtschafts- und ERP-Systeme für den nationalen Markt mitbringen sollten u. a. in unserem Guide.

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